Wolfram Ullrich und Jo Schöpfer

18.10.2013 - 16.11.2013

Die Werke von Jo Schöpfer (* 1951) bewegen sich an der Grenze zwischen Bildhauerei und Architektur. Seine Bronzeskulpturen wirken wie Stahlskelettmodelle für moderne Bauten – Wolkenkratzer oder Wohnblöcke, die den umschlossenen und sie umgebenden Raum strukturieren und im Grunde erst konstituieren.
Stets gelangt Jo Schöpfer von der Struktur über die Perspektivität dieser Skulpturen zu einer offenen Form, die gewissermaßen die Bewegung des Betrachters einfordert. In dieser Bewegung löst sich der vordergründige Kontrast zwischen organischer und geometrischer Form auf. An deren Stelle tritt eine Erfahrung, bei der sich das Objekt und seine Wirkung durchdringen.
In der Begegnung entfaltet das Werk von Jo Schöpfer seine ganze Gegenwärtigkeit – mal mit großer Geste, dann wieder ganz ruhig und in sich gekehrt. Manche Arbeiten suchen die Nähe zum Betrachter, andere halten ihn auf Distanz. Gemeinsam halten sie den Betrachter in Bewegung – auf dass er es sich in keiner Perspektive allzu bequem einrichten möge.

 

Der Maler Wolfram Ullrich (* 1961) hat seine künstlerische Arbeit im Laufe der Jahre immer mehr hin zur Verräumlichung an der Demarkationslinie zwischen Malerei und Plastik geöffnet. Das rationale Bemühen um formale Strenge ist ihm dabei ebenso wichtig wie die irrationale Kehrseite ihrer Wirkung. So bestechen Ullrichs Reliefs zunächst durch ihre präzise Form und Farbgebung. Es sind Polyeder über trapezförmigen Grundflächen. An den Rändern wird ihr geometrischer Körper aus gebürstetem Stahl sichtbar, die Schauseite selbst ist mit einer monochromen Haut aus Lack und Acrylfarbe überzogen: blau, lachsfarben oder in erdigem Rostbraun.
Entfernt man sich sukzessive vom faktisch Sichtbaren, dann beginnen diese Reliefs sich unwillkürlich zu winden. Je nach Betrachterstandpunkt arbeiten sie sich in die Wand hinein oder aus ihr heraus, sie kippen und werden weich, beugen sich über schmale Schattenfugen dem Betrachter entgegen und verabschieden sich schließlich in die Schwerelosigkeit. Stark ist der illusionistische Sog, den diese Arbeiten ausüben. Aber die Fliehkraft der konkreten Kunst hält standhaft dagegen. Dank dieses wohl kalkulierten Antagonismus der Kräfte gelingt es Wolfram Ullrich, einer starken Tradition treu zu bleiben, ohne ihren Konventionen zu erliegen.